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Deutsche GescMchtsblätter

Monatsschrift

zur

f öpdepung de? landesgesohiehtliehen foFsohuDg

unter Mitwirkung von

Prot Qaehmum-Prag, Prof. Breysig- Berlin, Fror. Brler-Mliotter i. W., Prof. F'inke-Freibnrg i. B., ArchiTdireklor Prof. Hanaen-KÖln, Prof. t. HeiKet-HfUichen, Prof. Menner-Wünborg, Seclionscbcf v. Inuna-StemCKB-Wieo, Prof. Kolde-Erlwigen,

Prof- Kas«iiiiia-BcrliD, Arcbivrat KriCKer-Karbrohe, Prof. I.unp^ech^LeipIig,

Archivnt W. Lippert-Dresden, Arcliiv»r Mcrx-Osnabrilclc, Prof. HOblbACher-WicD,

Pro£ T, Ottenthal-lDiiibnick, Prof. Obw. Redlich-Wicn, Prof. «. d. Kopp-Marborg,

ProE. A. SchoIte-BoDD, Archifrat Sello-Oldcnburg, Geh. Archirrat attlin-SRittgart,

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Prof. V. Zwiedineck-SQdenbont-Grai

herausgegeben von

Dr. Armin Tille

IV. Baad

Gotha

Friedrich Andreas Perthes

Aktia(*Hll«liaft

1903

STANFORr UN'VERSITY

STACKS

JAN 2( i^/u

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Inltalt.

Aufsätze : seue

Bergner« H. (Nischwitz, Sacbsen^Altenbnrg) : Landschaftliche Glockenkunde 225 239

BeffUng« Karl (DresdeD): Altertümer-Ausstellungen im Königreiche Sachsen 281 287

Caro, Georg (Zürich): Die Hufe t 257—272

Dwol^ Frans (Grax): Steiermarkische Geschichtschreibung im Mittelalter . 89 loi Steiermärkische Geschichtschreibung vom XVI. bis

XVIIL Jahrhundert 288—298

Käser» Kort (Wien): Zur Vorgeschichte des Bauernkrieges 301 309

Liebeskind (Münchenbemsdori) : Literatur zur Glockenkunde 239 245

Lippert, Woldemar (Dresden): Hermcmn Knotige und seine Bedeutung

für die oberlausitzische Geschichtsforschung 150 159

Ifiksebeck, Ernst (Metz) : Zur Geschichte der landesgeschichtlichen Forschung

in Lothringen 33—43

Richter, Eduard (Graz): Der historische Atlas der österreichischen Alpen-

länder 145 150

Sello, Georg (Oldenburg): Roland- Rundschau 113 128 a. 159 171

TQle, Armin (Leipzig): Nachwort zn dem Aufsatze über Steiermärkische Geschichtschreibung vom XVI. bis XVIIL Jahrhundert von

Franzllwof 298 300

Werner, Heinrich (Merzig): Die Reform des geistlichen Standes nach

der sogen. Reformation des Kaisers Sigmund

im Lichte gleichzeitiger ReformpUme i 14 u. 43 55 Die Reform des weltlichen Standes nach

der sogen. Reformation des Kaisers Sigmund im Lichte der gleichzeitigen Reformbestre- bungen im Reich und in den Städten . . 171 182

u. 193 2x8

Wol^ Gustav (Freiburg i. B.) : Forschungen und Forschungsaufgaben auf

dem Gebiete der Gegenreformation . 65 77 [falsche Zählung: 81 93]

u. io2~ 108

Mitteilungen :

Arthlologiscbe Karten 318 319

Arehhre und Kunstgeschichte (R. Hansen) 18 22

Archhre : Stadtarchiv Strafsburg (Winckelmann) 15 18; Dritter Archivtag 1902 in Düsseldorf 58—62; Inventare der nichtstaatlichen Archive der Provinz Westfalen 108— 110 ; Archivberichte aus Kärnten I 129 bis 130; Schwedische Studien über das Archivwesen im Aus- lande 130 13t; Literatur über städtisches Archivwesen 183; Staatliches Archivwesen in Österreich 316 317; Landesarchiv .^ Vorarlberg 317.

Seite

Berichtigungen 64, 144, 192, 256

Bibliographie der Zeitschriftenliteratur 22—25

Denkmalpflege: Dritter Tag fUr D. 1902 in Düsseldorf (Loersch) 55 58;

vierter 1903 in Erfurt 311. Eingegangene Bücher . 31 32, 62 64, 87 88 [fabche Zählung: 103 104], 112»

142—144, 192, 224, 256, 280, 320

Familienforschung 272 274

Fluriurten 249—252, 314

Qesamtverein der deutschen Qeschichts- und Altertumsvereine: Ver- sammlung 1902 ifi Düsseldorf 78 87 [falsche Zählung: 94 bis 103]; 1903 in Erfurt 309 310. Historische Kommissionen: WUrttembergische K. fUr Landesgeschichte iio; H. K. für Nassau iio iii; H. K. bei der Kgl. Bayerischen Akademie der Wissenschaften 140 141 ; Badische H. K. 141; Kgl. Sächsische K. fUr Geschichte 222 223; Gesellschaft für Rheinische Geschichtskunde 223 224.

Historische Ortsverzeichnisse (Vancsa) 186—188

Konferens von Vertretern deutscher Publikationsinstitute . . 182 183, 246 256 Museen: Niederösterreichisches Landesmuseum 131 132; kulturgeschichtliche

Ortsmuseen der Niederlausitz 133 140. Nekrologe: Franz Krones Ritter von Marchland 188 190; Karl Albrecht (Sorgenfrey) 319—320.

Ortsgeschichte, Zur deutschen (Albert) 312 316

Personalien 188 192, 319—320

Politische und sociale Bewegung im deutschen BOrgertum des XV.

und XVI. Jahrhunderts (Käser) 25 30

Siegeltmischriften, deutsche (Vancsa) in 112

TQrkenkrieg: Neuere Literatur über den T. von 1664 279 2S0

Versammlung deutscher Historiker, siebente 1903 in Heidelberg . 182 u. 219—222 Versammlung deutscher Philologen und SchulmSnner, siebenundvier- zigste 1903 in Halle 311 312

Zeitschriften: Geschichtsblätter für Waldeck und Pyrmont 183 184; Jahrbuch des Historischen Vereins für das Fürstentum Liechtenstein 184 185; Bibliothek der sächsischen Geschichte und Landeskunde 185; Archiv für Kulturgeschichte 186; Vierteljahrschrift für Sozial^ und Wirtschaftsgeschichte 186; Fuldaer Geschichtsblätter 274 275; Deutsch amerikanische Geschichtsblätter 275 279. Zentralstelle für deutsche Personen- und Familiengeschichte ... 273

Durch einen Irrtum des Setzers enthält dieser Band eine irrtümliche Seiten- zählung: auf S. 64 folgt statt 65 fälschlicherweise mit Überspringung eines Bogens 81. Im folgenden ist die richtige 2ählung (vgL Berichtigung S. 144) wieder hergestellt. Die richtigen Seitenzahlen sind an Stelle der fabchen handschriftlich einzutragen.

Deutsche Geschichtsblätter

Monatsschrift

fur

Brdenmg der landesgescbichtlichen Forschung

IV. Band Oktober xgoa i. Heft

Die Heform des geistlichen Standes nach der sogen. H^^ormation des Kaisers Sig>^ mund im Iiichte gleichzeitiger H^^ormpläne

Von Heinrich Werner (Merzig)

Wie ich in einer Arbeit Über den Verfasser und Geist der sog. Reformation des Kaisers Sigmund ^) zeige, sind die charakteristischen Leitgedanken in der sogen. Reformation des Kaisers Sigmund , so der Satz von der Freiheit jedes Christen, von der Scheidung des Geist- lichen vom Weltlichen und die Abwehr gegen die Vermönchung von kirchlichem Amt und Besitz u. a., im Zusammenhang gleichzeitiger geistiger Strömungen und Zustände betrachtet, nicht revolutionär, sondern nur insofern eigenartig, als sie aus einer anderen als bisher angenommen Gedankenwelt, nämlich der eines Laien, Städtebürgers und Stadtschreibers erzeugt sind. So sehr es auch bisher allgemeine Anerkennung fand, hinter dem Verfasser einen Pfarrer, mindestens einen Geistlichen zu suchen, so konnte doch ein Beweis dafür mit glaubhaften Gründen nicht beigebracht werden. Im Gegenteil konnte ich bei weitem zahlreichere und sicherere Gründe vorbringen •) zu der Annahme, dafe ein Stadtschreiber die Reformschrift verfaüst hat und zwar Valentin Eber von Augsburg; freilich eine entscheidende Kontrolle kann nur ein hinreichender archivalischer Nachweis liefern.

Über den einzelnen Reformvorschlägen schwebt nun eine ähnliche Unklarheit und nicht minder gespensterhaftes Dunkel. C. Koehne hat sich in seinen Studien zur sogen, Reformation K. S. ') zuletzt

1) Historuche Vierteljahrschrift, (1902), 5. Bd. S. 467 ff.

2) Schon in dem Anhang tu meiner Schrift Die Flugschrift ^onus eccUsiae (1519) mit einem Anhang über sozial^ und kirchenpolitische Prophetien. Ein Beitrag zur ^Steten- und Kulturgesch, des ausgehenden MitUlalUrs, (Giefsen 1901) S. 87 ff.

3) Zeitachr. fttr Soxial- und WirtschafUgeschichte VI. B. (1898), S. 369—430.

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eine eingehende Behandlung dieser Schrift vorgesetzt. Sein Ergebnis fuhrt uns aber wenig weiter, da der zweite Teil seiner Untersuchung, der wichtigste, nämlich der über die Quellen der einzelnen Reform- forderungen, weder tief noch breit genug ist.

Drei Behauptungen tritt hier Koehne entgegen; erstens als seien vom Verfasser die Anschauungen und Forderungen der niederen Volks- schichten wiedergegeben, zweitens als stimmten die vorliegenden Re- formforderungen mit den auf den Reichstagen zu Regensburg und Basel vom Jahre 1434 voi^ebrachten Artikeln überein, drittens als seien sie auf husitische Ideen zurückzuführen. Dies geschieht mit gutem Glück, weil die Gründe zum Teil auf der Hand liegen. Der positive Teil der Quellenimtersuchung (von S. 410 ab) aber ist zu kurz ge- kommen. Koehne kommt dabei zum Schlüsse; „Es mufs von vorn- herein bemerkt werden, dafe eine bestimmte, andere Reformvorschläge enthaltende Schrift, aus der Priester Friedrich einzelnes geschöpft hätte,^ nicht nur nicht nachzuweisen ist, sondern auch schwerlich existiert hat." Dafs es aber noch andere Quellen gibt, sieht auch Koehne, indem er in der „Wissenschaft, Umgebung und politischen Vorgängen" der Zeit des Verfassers solche sucht Der vorliegenden Refornischrift ähnliche Forderungen hätten z. B. die Konzilien zu Kon- stanz und Basel aufgestellt, sie erwiesen sich aber nicht als „einfache Über- setzungen" trotz aller Anklänge an die der Reformschrift. Da ihm nirgends eine Quelle mit deutlichen Zügen zu erkennen ist, so glaubt Koehne die Reformpläne aus den „Tendenzen, in denen sich der Fort- schritt auf dem damaligen Gebiete verkörperte", abzuleiten. So stehen wir denn vor einer neuen unbekannten Gröfee, die in früheren Unter- suchimgen Radikalismus, revolutionärer Geist hiefe und jetzt, etwas ge- mildert, „Fortschritt** genannt wird. Wir wollen nun im Folgenden den Verfasser wieder möglichst beim Worte nehmen und dieses in zeit- genössischem Lichte erscheinen lassen, so dafs es von dem isolierenden Dunkel verliert und an Verständnis gewinnt; denn nichts bewundern und nichts verdammen, sondern verstehen, ist oberstes Gesetz der Wissenschaft.

Der Verfasser der Reformschrift stellt seine Forderungen in Zusammen- hang mit dem Konzil zu Basel, er will zeigen, sagt er in der Einleitung, wie das heilige konzil zu Basel gesamnet ist *) Femer sind nach seinen eigenen Worten seine Reformpläne als eine Ordnung gemachet von hoher meister (= Magister) Weisungen, gunst und willen und

i) Sämtliche Stellen aus unserer Refonnschrift sind nach der Aasgabe von W. Boehm, Friedrich Reisers Reformation des K, Sigmund, (Leipzig 1876) angefUhrt S. 162..

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lehre von latein zu deutsch zu einem bekennen allen gemeinen Christen in der Christenheit ^), und diese Urkunde ist mit hohen weisen erläutert*). Dafs wir diese Behauptung des Verfassers wörtlich neh- men müssen, habe ich ebenfalls in meiner letzten Arbeit schon an- gedeutet Ebenso habe ich bereits auf den Kreis hingewiesen, wo ähnliche Forderungen aufgestellt wurden, und auf die Veröffentlichung derselben bei Haller *). Es sind nämlich eine Reihe von Reformplänen in Gestalt von motivierten Anträgen und Amendements zu Konzil- und Ausschufeberatungen, wie letztere besonders durch den sogenannten 2. Status *) der Geistlichen stattfanden, als Vorarbeiten vorhanden, welche die Verschiedenheit der in den offiziellen Konzilsbeschlüssen verdichteten Stimmen wieder heraushören lassen. So hat unser Verfasser sein ord' nungsbuch als Urkunde von hohen Meistern (Magistern) erhalten, verdeutscht und erläutert zu allgemeinem Verständnis und Bekenntnis veröffentlicht. In diesem Zusammenhang geben die einfachen Worte des Verfassers einen unzweideutigen Sinn. Aber vergleichen wir einmal die Reformforderungen des Verfassers mit den allerdings sehr unvoll- ständig mitgeteilten Reformpapieren aus jener Reformbewegung, so läist sich meine Annahme trotzdem noch zu einer gröfseren Gewifsheit er- heben. Femer wird aus diesem Vergleich ersichtlich werden, dafs die Forderungen des Verfassers nicht auf offizielle Beschlüsse, sondern auf private zurückgehen, da(s also gerade im Gegensatz zu Koehne unsere Reformscbrift Unterlagen hat, die ihres gelehrten Ursprungs halber lateinisch sind, aber zu ihrer Massenverbreitung verständlicher gemacht und verdeutscht werden mufsten. Daneben erscheinen die For- derungen selbst in neuem und hellerem Licht und nur als eine Stimme aus dem Wirrwarr der Meinungen in dem damals immer heftiger wer- denden Drang nach Reform. Nur seine Erläuterungen haben, weü subjektiv, ein so eigenartiges Gepräge, dafs sie von neuem auf eine bestimmte Persönlichkeit als Verfasser, nämlich auf einen Laien und Stadtschreiber hinweisen.

Was an den Reformplänen des geistlichen Standes sofort auffallt, ist die Einhaltung der Reihenfolge, wie sie durch die hierarchische Rangordnung in der Kirche voi^ezeichnet ist. Die Reform geht vom Papste zu den Kardinälen, Bischöfen, Pfarrern, Prälaten, Orden bis zu

i) Ebenda S. 171.

3) Eine andere SteUe lautet: das wird nun von stuck zu stück erläutert zu einem reckten bekennen gebracht» Ebenda S. 344.

3) Job. Hai 1er, Concilium Basitiense 1896. 4 Bde.

4) Vgl. Hiatorische Vierteljahrtchr. a. a. O. S. 469 und S. 475.

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den Laien im weltlichen Teil, also, wie er selbst sagt, vom haupt bis zum mindesten herab. In dem zweiten Teile über den weltlichen \

Stand hat er keine derartige strenge Anordnung innegehalten. Der Grund ist einfach: bei der geistlichen Reform hat er fest geordnete Anträge vor sich gehabt, die den natürlichen Gang einer Geschäfts- ordnung verraten *). In dem weltlichen Teil schreibt aber der Verfasser über seinen eigenen Stand mit praktischer Erfahrung und eigener Ge- dankenordnung; da er aber als Stadtschreiber nur Halbbildung besitzt, so sticht jene grell genug gegen die gelehrten Entwürfe zum ersten Teile ab. Nur in seiner Eigenschaft als städtischer Diplomat bringt er mehr Kenntnisse für weltliche Dinge mit, die ihm kraft seiner TeU- nähme an Reichs- und Städtetagen bekannt sein konnten. Davon ist denn auch der zweite Teil der Reformation ein buntes Widerspiel. (In einem andern Aufsatz ist darüber demnächst näheres zu finden.)

Bei jedem kirchlichen Amte macht er nun unter immer wieder- kehrenden Gesichtspunkten seine Forderungen geltend : seine Reformen betreffen hauptsächlich die Wahl zu jedem Amte und die dazu not- wendige Ausbildung und Graduierung, die familia, das Einkommen jedes hierarchischen Beamten und die Amtshandlungen jedes Klerikers..

Die Wahl zu einem jeden Amte soll einheitlich in dem Sinne reformiert werden, dafs keine kirchliche Würde von einem Ordensmann bekleidet werden darf. Während sich offizielle Vorschläge *) ausführ- lich mit dem Gange der Wahl beschäftigen, macht unser Verfasser bei seinen Vorschlägen nur den praktischen Gesichtspunkt des imbeteiligten Laien geltend und in so scharfer Weise, dafs darin der auch sonst ausgesprochene grofse Unwille gegen die Orden einen geradezu ty- pischen Ausdruck findet Viele Stimmen aus damaliger Zeit ') geben kund, wie die Plage des Almosensammeins und der Besitz in der toten Hand den Städtebürgem immer mehr ein Dom im Auge wurde. Jeder Orden sei eine parcialitas, fahrt unser Verfasser fort, der die Univer- salität eines jeden kirchlichen Amtes widerstrebt Denn ein aus einem Orden gewählter Würdenträger hat nur die Interessen seines Ordens im Auge und dispensiert deshalb die Mitglieder desselben sehr leicht von geistlichen Verpflichtungen. So entstehen überall Eingriffe der Orden in kirchliches Amt und kirchliches Recht. Eine ähnliche Her-

i) Denselben Gmng halten auch die von Haller veröflfentlichten gröfseren Privat- anträge ein, wie z. B. die des Andreas vonEscabor(I. Bd., S. 214), and ebenso soU der Reforme ntwnrf Cesarinis geordnet gewesen sein. Vgl. Ebenda.

2) Vgl. Monumenta conciUorum gener<Uium saeculiXV, 2, S.402 und Hall e r I, S. 190.

3) Vgl. die in meiner oben genannten Schrift angeführten SteUen S. 87, Anm. 3.

Vorkehrung" dieses einen Gesichtspunktes über die Wahlreform finden wir bis jetzt nirgends, sie ist also dem Verfasser als besonders cha- rakteristisch und als ihm allein eigen zu betrachten. Nur aus seiner städte- bürgerlichen Eigenschaft ist sie hervorgegangen und steht jedenfalls ohne eine gelehrte Unterlage in der Form eines Antrages ver- einzelt da.

Ganz anders liegt es bei seinen Forderungen über die wissen- schaftliche Qualifikation. Hiermit haben sich offizielle ^) wie private Reformbeschlüsse beschäftigt, und unser Verfasser bekennt sich hier zu ähnlichen Anschauungen, wie sie jene vertreten. So soll nach unserem Verfasser ein Kardinal ein Doctor in der heiligen Schrift und in den Rechten sein, ein Bischof Doctor in der heiligen Schrift und in decretis", der Pfarrer soll von einer hohen Schule Brief und Insiegel haben, dais erBaccalaureus sei *). Hören wir nun, was andere gleichzeitige Reformpläne über diesen Punkt vorschlagen . Haller veröffentlicht einen mo- tivierten Antrag" auf Ergänzungendes Dekrets über die Wahlen (S. 190 ff.), in dem es heilst : cavendum esse, ut de cetero nullus promoveatur in episcopum, nisi fuerit doctor vel licentiatus sacrae paginae vel sac- rorum canonum vel baccalarius in theologia/ormatus. Bei der Wahl der Bischöfe müssen im Domkapitel mindestens 24 Mitglieder mitwirken, ja sogar auch Laien, etsi non omnis multitudo civitatis tarnen ad minus aliquis magnus et notabilis numerus bonorum virorum. Hier sehen wir eine andere Stimme vertreten, die eher „fortschrittlich" ge- nannt werden müfste als die unseres Verfassers.

In den Reformanträgen der deutschen Nation vom Jahre 1433 *), die durch den Vikar von Freising gestellt sind, wird vor allem die Freiheit der kanonischen Wahl gefordert und ebenfalls die Gelehrsam- keit der Geistlichen hochgeschätzt, die in generalibus studiis et aliis patrimonia sua et labores su/>rum consumunt parentum *) et quibus forsitan per ordinarios eis ignotis minime vel sattem tardius pro- videretur.

Ebenso verlangt die Denkschrift eines Ungenannten über die Kirchenreform *) docti pastores und freie Wahl,

Andreas von Escabor macht den Vorschlag, dafs der zum Papst

l) Vgl. Monumenta conciliorum generalium saeculi XV, 2, S. 402. 3) Ausgabe ron Boehm, S. 182.

3) Hallcr m. ». O. S. 195 ff.

4) Dieser Text erinnert lebhaft an die Worte unseres Verf. Vgl. Boehm S. 182, Z. II aod S. 183.

5) Haller a. a. O. S. 206 ff.

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zu Wählende entweder in der Theologie oder im kanonischen Recht graduiert oder de ducali aut regalt genere procreatus *) sei. Die Zahl der Kardinäle soll beschränkt werden und sie sollen in der Theologie und im kanonischen Recht graduiert, nicht mit Papst und untereinander verwandt sein. Die Erzbischöfe und Bischöfe sollen ebenfalls vel doctor in iure canonico vel civili vel medicinae sein. Für die Beleihung von Benefizien und Offizien wird gleichfalls eine der Höhe der Pfründe entsprechende wissenschaftliche Stufe ge- fordert, so dafs eine förmliche Skala des Pfründenwertes dem Mafse der Gelehrsamkeit entspricht. Ein Ordensmann kann vom Papste nicht zum Bischof ernannt werden, selbst nicht auf die Bitte eines Königs oder einer Gemeinde hin, weil dieses Amt dem Wesen eines Mönches widerspricht : ne habeat occasionem peccandi et vaga n di et officium pro pecunia exequendi, ac quod magis est, ne habeat proprietatem et oboedientiam , ., et cogatur in opprobrium dignitatis episcopalis ubique mendicare *). Andreas vonEscabor entwickelt also hier einen ähn- lichen Gedanken über die Wahl eines Bischofs, der aber nicht bei allen kirch- lichen Ämtern gleich einheitlich durchgeführt ist, im Gegenteil schon bei dem Bischofsamte selbst eine Ausnahme erleidet: es darf nämlich ein Ordensmann Bischof werden, wenn er vom Kapitel mit der Erlaubnis von Abt oder Provinzial unter der Erfüllung aller anderen Bedingungen gefordert wird.

Auch die Pfarrkirchen sollen je nach ihrem Ertrag an minder oder höher Graduierte verliehen werden Auf die Pfarrkirche mit dem höch- sten Ertrag von 200 Kammergulden (S. 225) hat der Doctor oder Magister im kanonischen Recht oder in der Medizin das Anrecht. Diesen steht gleich der vir magnus nobilis ex utroque parente de militari genere descendus.

Die Graduierung spielt auch in einem anderen Ausschufsantrag, be- trefTend die Expektanzen- und Benefizienverleihung (S. 223), eine grofse Rolle; doch nach der Meinung des anderen Teüs des Aus- schusses soll sie ganz wegfallen. Wie das adlige Element ^) den Vorrang bei Verleihung von Benefizien haben soll, zeigt auch dieser Antrag, indem er den Genannten vier Benefizien als Maximum der Benefizienzahl, den Magistern, Doktoren und Lizentiaten nur drei Benefizien zuerkennt. Sicut per suprascripta prohibetur ascensus non graduatis et non nobilibus ad alta et magna beneficia, ita vi-

1) Ebenda S. 216.

2) Ebenda S 221.

3) Verwandte von Königen und Fürsten. Ebenda S. 238 u. 393.

detur prohiberi descensus nobütbus et graduatis ad pauca beneficia et modica^ ut etiam substt amplms, de quo pauperibus providere. Auch für das Pfarramt einer Gemeinde, ubi stt magntis et notabüis populus, kann nur ein magister in artibus oder baccalaurius kandidieren, während für andere Pfarrkirchen solche genügen, die lateinisch lesen und verstehen können. Im übrigen sollen Adlige und Söhne der Fürsten den Graduierten gleichstehen.

So sehen wir denn die Frage nach dem Wahlrecht^ welches das Baseler Konzil schon im Dezember 1432 *) beschäftigte, in mannig- facher Weise beantwortet Darin stimmen nun alle Anträge überein, dafe das Wahlrecht, welches im Laufe der Zeit von geistlichen Re- servationen und Provisionen ganz verdrängt war, den zuständigen Kör- pern zurückgegeben werden soll, und dabei wird dem gelehrten und adligen Element besondere Vergünstigung und Bevorzugung eingeräumt, ja sogar den Laien eine gewisse Teilnahme zugestanden. Davon weifs unser Verfasser nichts. Er stellt vielmehr eine eigene ganz charak- teristische Forderung in bezug auf die Wahlen auf, die an eine be- schränkte Forderung des Andreas von Escabor zwar erinnert, aber in dieser Allgemeinheit und feindseligen Konsequenz nur unserem Verfasser eigen ist und klar seinen städtebürgerlichen Geist verrät.

Nur den Graduierten erkennt er auch ihre Vorrechte im gewissen Sinne zu, weil er sie in seiner Vorlage erwähnt sieht. Aber sie sind so nebensächlich und mit so feindseligen Augen betrachtet, dafe ihn seine Halbbildung in den viel breiteren Erläuterungen zu den genannten Forderungen zu heftigen Angriffen auf die gelehrten und gewaltigen fortreifst. Der Verfasser schliefst aus der Gelehrsamkeit für die Stellung eines Klerikers etwas ganz anderes. Bei den übrigen genannten Vor- schlägen wird die Graduienmg als Bedingung zu einem höheren Amt und besseren Pfründe angesehen, bei unserem Verfasser aber ist sie die Voraussetzung für eine schwerere Pflicht selbst eines niederen Amtes wie z. B. des Pfarramtes. Dieses mufste einem Städtebürger, nament- lich einem in der städtischen Verwaltung so hoch Stehenden, das wich- tigste kirchliche Amt sein, weil es den Laien mit seinen Funktionen bekleidet von der Wiege bis zum Grabe. Während die anderen An- träge im grofsen und ganzen nur geringe wissenschaftliche Aufforde- rungen an den Pfarrkandidaten stellen, will er dieses Amt aus recht praktischen Gründen gerade an gelehrte Priester übertragen wissen, die Ungelehrten seien noch gut genug für die Dome zum blofeen Singen und Lesen. Unwissende Priester, die weder predigen noch Sakramente

i) Vgl. Malier, II. Bd., S. iii.

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spenden können '), werden nach den Ansichten unseres Verfassers zur Amtsausübung in den Pfarrkirchen gegen schenk und miet bevorzugt, während die gelehrten Priester Jhre Würde und Gelehrsamkeit nur zu einer bequemen Einnahmequelle machen. So sei denn heute die theo- logische Gelehrsamkeit unfruchtbar geworden *). Gerade die gelehrten Priester sollen auf die Kirchen gezwungen werden, sonst würde der keherglauben in den städten noch mehr um sich greifen ^).

Von der Bevorzugung des adligen Elements bei der Wahl zu einem höheren kirchlichen Amte weifs der Verfasser vollends gar nichts. Vielmehr scheint auch hier ein bewufster Gegensatz vorzuliegen, der sich neben einer politischen Spitze ^) in dem häufigen Rufe gegen die „Gelehrten und Gewaltigen" *) Luft macht. Denn nicht nach Gunst, sondern nach Kunst, nicht nach Stand, sondern nach Verstand will er die Ämter verteilt haben, deren Wert er recht charakteristisch nach dem Standpunkt des praktischen Laien einschätzt. So kommt es denn auch, dafs er die Prälaten dem Range wie der Behandlung nach den Pfarrern unterordnet.

Von seinen Reformforderungen über die Wahl können wir uns also ein ganz genaues Bild machen. Die Ablehnung eines Ordens- mannes als Kandidaten für ein kirchliches Amt ist ihm allein eigen und für ihn charakteristisch ; sie wird sich höchstens an ähnliche, aber bei weitem nicht so konsequent durchgedachte Forderungen wie die des Andreas von Escabor angelehnt haben. Dies erklärt sich aus der Tatsache, daCs in unserer Schrift die einzigen bis jetzt bekannten Re- formpläne eines humanistisch ^) gesinnten und städtebürgerlichen Laien vorliegen. Auch über die Qualifikation zu einem Amte teilt er, wie schon oben erwähnt, nur kurz und oberflächlich den zu gründe liegen- den gelehrten Antrag mit, um durch seine eigenen Erläuterungen dazu um so kräftiger den Charakter desselben zu verwischen und seine eigenen städtebürgerlichen Gesichtspunkte geltend zu machen.

Augenscheinlich geht auch die Forderung über die familia eines Prälaten auf einen von den der Schrift zu gründe liegenden Anträgen zurück: so soll die familia eines Kardinals 12 Personen umfassen, nämlich 2 Kapläne, i Kammermeister, i Schreiber, 2 Edelknechte,

1) Vgl. Bochm, S. 183.

2) Ebenda S. 192.

3) Vgl. auch das unten über die Provinzialsynoden Gesagte.

4) Vgl. Anbang zu meiner obengenannten Schrift, S. 90.

5) Vgl. Anhang, S. 86, Anm. i.

6) Vgl. Histor. Vierteljahrschr. 5. Bd. (1902) S. 474f.

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4 Scbildknechte, i Marstaller und i Koch. Eines Bischofs familia soll bestehen aus 2 Priestern, 2 Schildknechten , i Koch und i Marstaller, ein Suf&agan soll haben i Priester, i Schildknecht, i Schreiber, I Koch und i Marstaller. Durch Privatanträge, wie sie Haller S. 208 mitteilt, lälst sich dieser Vorschlag nicht näher beleuchten als durch die eine Stelle daselbst, wo für die familia eines Kardinals 30 Personen gefordert werden.

Am wichtigsten aber ist die Frage über das Einkommen der Geist- lichkeit, die lebhaft auf dem Konzil erörtert wurde und zu der des- halb auch eine Reihe von Privatansichten vorliegen. Die mittelalter- liche Kirche war in ihrer Blütezeit ein finanziell und wirtschaftlich hoch entwickeltes Institut geworden; die Päpste und nach ihrem Bei- spiel die übrigen Würdenträger der Kirche hatten frühzeitig die Macht des Kapitals erkannt und zur Erlangung desselben zahlreiche Mittel und Wege gefunden. Unter allen möglichen Namen wie Annaten, Reservationen, Provisionen, Expektanzen, Vakanzgeldem und Taxen aller Art flofis reichlich Geld nach Rom und anderen geistlichen Höfen *, besonders beliebt war ein Mittel zur Bereicherung, nämlich die An- häufung von Pfründen und Bencfizien in einer Hand, die sogen. Plu- ralität oder Union von Pfründen. Um diese zu erlangen, hatten sich an der römischen Kurie solche Pfründenjäger unter dem später best- gehafsten Namen der Kurtisanen aufgehalten, die in ihrer geistlichen Würde oft sehr tief standen, häufig gar keine besafsen.

Sehon unser Verfasser charakterisiert dieses Treiben mit den Wor- ten: sie leihen unterweilen Stallknechten pfarreien und prälaten Pfründen *). Nicht weniger ärgemiserregend war die Afterverleihung von geistlichen Einnahmen, da hierdurch ganz unwürdige Priester gegen ein fettes Entgelt in den Besitz von Pfründen und Benefizien kamen. Eine Reform mufste also damit beginnen, die vom Papste angemaßten Einnahmen aus Pfründen und Reservationen zu beseitigen, und sie den Ordinarien wieder zurückgeben; andrerseits mufste die Pluralität ab- geschafft oder auf ein Mindestmafs beschränkt werden. Das ist auch der W^, den die offiziellen Verhandlungen über diesen Gegenstand nahmen. In dem einen Punkte über die Annaten erlangte man gerade durch das Drängen der deutschen Nation einen durchgreifenden Be- schlufs: sie wurden abgeschafft. Eine Entschädigung für den Ausfall wurde versprochen, aber da man sich über die Art nicht einigen konnte, nicht ausgeführt. So war denn Spielraum genug für Privat- anträge gegeben, und einer davon liegt auch unserer Schrift zu gründe.

i) Boehm, S. 182.

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Das Einkommen des Papstes und seines Hofes soll ein Drittel der Einnahmen aus dem Patrimonium Petri , also aus dem Kirchenstaat, der in seinem Umfang kurz angegeben wird , betragen *) , die andern zwei Drittel sollen dem Kardinalskollegium zugewendet werden; diese Einnahmen werden gleichsam als direkt aus dem der römischen Metropolitankirche verliehenen Kirchengut fliefeend betrachtet. Da- gegen sollen alle indirekten, durch die Amtsfunktionen sich eig'eben- den Einnahmen, also alle Taxen und Gebühren, wegfallen: ein Brief von der Kurie soll deshalb „nicht mehr kosten als das Pergament wert ist". Alle in der Rota beschäftigten Hofbeamten dürfen nicht mehr mit Kirchenverleihungen und den damit verbundenen Inkor- porationen besoldet werden, sondern ebenfalls mit den Einnahmen aus dem Kirchenstaat und zwar von dem Anteil des Papstes. Die Peni- tentiaren sollen keine Laien, sondern Priester sein. Für jeden Kar- dinal erhofft der Verfasser aus den zwei Drittel der Einnahmen aus dem Kirchenstaat, wenn sie ordentlich verteilt würden, I2(xx:) Gulden jähr- lich. Dafür sollen sie aber keine indirekten Einnahmen mehr haben, etwa aus Pfründen, sondern höchstens Vergütung der Spesen auf Legationsreisen *).

Das Einkommen eines Erzbischofs hat loooo Gulden rheinisch zu betragen und das eines Suffragans 5 6ocx) Gulden. Wenn auch hier nicht angegeben ist, woher diese Besoldung genommen werden soll, so liegt es im Sinne der anderen parallelen Forderungen des Verfassers, auch hier die Einnahmen aus dem zur Metropolitankirche gehörigen Kirchengut, also dem Herrschaftsgut, als den Fonds für das Einkommen eines Erzbischofs zu bezeichnen. Die übrigen indirekte Einnahmen wollen wir sie wieder nennen sollen teils beschränkt, teils aufgehoben werden: so soll für Bestätigung eines Suffragans der Bischof nur icx) Gulden erhalten. Die Pfründenverleihung soll wieder den Bischöfen als den Ordinarien zurückgegeben werden, nur Erzbis- tümer und gefürstete Abteien bleiben dem Papste vorbehalten (S. 182). Jeder Bischof darf aber bei der Verleihung einer Pfründe nicht mehr als I Gulden nehmen, wohl auch nur zur Deckung der dabei ent- stehenden Unkosten. Dagegen darf er weder schenk noch miet nehmen und keinem mehr als eine Pfründe geben (S. 183), damit er sie selbst „verdienen" kann. Auch Geldstrafen, wie Konkubinatssteuer, auf- zuerlegen, soll dem Bischof verboten sein (S. 184). Dafs dies oft aus geitz (= avaritia) geschah, sagt er an der Stelle, wo es heifst: sie

i) s. 163 u. 174. 2) S. 177.

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besl€U€m sie wegen ihrer konkuhin (S. 187). Die Verleihung einer Pfründe soll nur an denjenigen erfolgen, der von einer hohen schule durch 2 tnagister , Präsidenten genannt, geprüft ist , und diesen soll der Bischof ohne weiteres beleihen. Hiermit wird dem Gelehrtentum eine wichtige Entscheidung zugestanden. Daraus ist aber auch wieder zu erkennen, dafe der Verfasser hier der lehre und Weisung hoher tneister in seiner Vorlage gefolgt ist.

Jede Pfarrkirche soll mit zwei Priestern versorgt sein. Ist die Pfarre zu klein, dann sollen zwei vereinigt werden, denn alle Priester sollen gleiche Pfründe haben. Diese betragen für jeden 80 Gulden jährlich für alle dinge (S. 189). Nach der Einnahme aus dem Pfarrgut oder Herrschaftsgut richtet sich die Zahl der Priester in einer Pfarrei. Alle Nebeneinnahmen, namentlich die aus feierlichen Begräbnissen und Anniversarien, fallen weg, da diese selbst aufgehoben werden. An ihrer Stelle sollen Geschenke, die in Kirchengeräten bestehen, gegeben werden, oder andere Opfergaben. Aber Geld dürfen sie nicht nehmen und nichts für Geld tun; denn die Pfründe soll ihnen in einem Stück gegeben werden. Das Kirchengut dürfen die Priester selbst bebauen und Vieh darauf halten, aber alle Gerechtigkeiten auf Häuser, Acker und Wiesen der Untertanen sollen je für ein Schilling ein pfund ^) ab- gelöst Verden. Der Gesamterlös hieraus ist in einemStück anzulegen, das dann zu einem Fonds mit den Einkünften aus dem Herrschaftsgut zu- sammeng'eschlagen wird. Hieraus erhält dann jeder Priester 80 Gulden jährlich. Mit diesen weltlichen Dingen haben aber die Priester nichts zu tun^ dafür soll ein Kirchenpfleger mit 40 Gulden Jahreseinkommen eingesetzt werden. Dieser hat jährlich Rechnung abzulegen vor 2 Priestern, 1 Vertreter des Bischofs und 4 bis 5 Untertanen.

Aus diesen Vorschlägen läfst sich der Verfasser wieder recht deut- lich erkennen. Abschaffung der feierlichen Begräbnisse und Anni- versarien *), Trennung von geistlichem Amt und weltlicher Verwaltung, Ablösung^ der Gerechtigkeiten und Rechnungsablage des Kirchenpflegers selbst vor weltlichen Untertanen erscheinen, ohne Zusammenhang be- trachtet, für die damalige Zeit als etwas Unerhörtes und im Munde eines Geistlichen gesprochen wie seither angenommen etwas Revolutionäres oder Husitisches. Ein ganz anderes Gesicht zeigen diese Worte aber, wenn man sie im Geiste des mittelalterlichen Städte- bürgertums betrachtet : nur ein Laie, ein Vertreter des mittelalterlichen

1) S. 190, Der Verf. meint scheinbar, dafs für je i /f laufende Abgabe eine ein- malige Ablösungssomm e von i bezahlt werden soll.

2) VgL Auch das anten über ProvinziaUynoden Gesagte.

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Städtebürgertums, das namentlich in seiner Verwaltung dem modernen Staatsbürgertum vorbildlich geworden ist, kann solch modern er- scheinende Forderungen aufstellen, und ein in dieser Verwaltung ge- schulter Stadtschreiber war dazu in noch viel höherem Mafse im stände.

Erst nach den Pfarrern kommt der Verfasser mit besonders deut- licher Spitze gegen die Prälaten auf die Domherren zu sprechen: sie sollen nur i Pfründe haben und keine Pfarrei daneben, der sie doch nicht vorstehen, ihr Einkommen von ihrer Kathedralkirche soll je 80 Gulden betragen. An einer Domkirche sollen nicht mehr als 24 Prälaten wirken ; da, wo eine gröfeere Anzahl vorhanden ist, sollen die Überzähligen in die Pfarrkirchen geschickt werden (S. 193). Hier fordert der Verfasser in seinem tiefen Groll gegen die Gelehrten mit grofser Emphase von den getreuen Christen, dafe sie die gelehr- ten bezwingen mögen mit gewalt, damit rechte Ordnung gehalten werde. Ein Domherr in einem Kollegium soll nur 60 Gulden haben und diese soll er selbst verdienen, denn jedermann soll seine arbeit tun um sein tägliches Brot (S. 194). Dieser wiederholt ausgesprochene Grundsatz von der persönlichen Leistung gegenüber dem in der mittel- alterlichen Kirche und dem Staat eingerissenen Unwesen der Vikariate und Afterverhältnisse ist echt städtebürgerlich und kennzeichnet wie- derum den Verfasser nach der schon öfters betonten Seite. Mit Geld- und Gerichtssachen soll ein Domherr ebensowenig etwas zu tun haben wie die Pfarrer, Zinsen und Zehnten der Domkirchen sollen ebenfalls abgelöst und die Verwaltung des Erlöses daraus einem Vogt und Kellner übertragen werden, welche der Gewalt des Bischofs unterstehen sollen (S. 19s).

Den Orden ist er nun vollends feindselig gesinnt : vor allen den Benediktinern und Bernhardinern soll man ihre Güter und Kirchen nehmen und ihnen die alte Regel vorlegen, wonach sie keinen Besitz haben dürfen. Heute sind den Klöstern alle zinsbar , Laien , Edle wie Reiche*), und deshalb dürfen sie treiben, was sie wollen (S. 197). Alle zwing und benne, Schlösser und Städte sollen ihnen genommen und dem Reich gegeben werden; dies soll es den rittern und knechten leihen, die es verdienen, und ebenso den städten, die sich üben in dieser sache und Ordnung (S. 200). Der Besitz in der toten Hand war ja damals schon ins Ungeheure gestiegen und niemand sah lange schon vor der Reformation begieriger darauf als die Reichs- städter. In diesem Sinne will auch der Verfasser einen Teil des dem

i) Die kWster haben das erdreich inne (S. 17^).

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Reiche zurückgegebenen Kircheng^tes verwendet wissen. Dabei drückt er sich so aus, da(s er als ein Vertreter dieser Städte seine genaue Kenntnis verrät; denn in den Worten: die städte üben sich in dieser sacke und Ordnung, deutet er offenbar auf einschlägige Re- formbestrebungen der Städte auf Städtetagen ^) hin, die allerdings wegen der Mif^rnnst der gewaltigen ergebnislos verliefen.

Ein Abt soll an Einkommen haben 80 Gulden, ein Mönch dieser beiden Orden je 40 Gulden. Die weltlichen Geschäfte soll ein Kasten- vogt für jedes Kloster für 100 Gulden jährlich besorgen. Außerdem sind 100 Gulden für die Beköstigung von Gästen aufzuwenden. Um mit diesem geringeren Einkommen auszukommen, ist die Zahl der Mönche eines Klosters zu vermindern und zwar so, da(s da, wo 40 sind, man sie aussterben lassen soll bis auf 24 u. s. w. bis auf 8. überhaupt sollen alle Orden angehoben werden mit Ausnahme der- jenigen, die von Almosen leben und die ihr bestimmtes Pfründeein- kommen haben (S. 201), allein von den Almosen sollen die vier Bettel- orden leben (S. 202), ihre Pfründen, Gülden, Anniversarien sollen abgeschafft sein. Nur aus dem UnwUlen eines Laien lassen sich die Worte begreifen: Männer und Frauen ohne Unterschied sollen ihrem Gottesdienst beiwohnen dürfen und ihr Almosen sollen sie verdienen. In den Frauenklöstem bekommt eine Äbtissin von jetzt an 50 Gulden, jede andere Person 30 Gulden jährlich; im übrigen herrscht dieselbe Ordnung wie bei Männerklöstem.

In einem gemeinsamen kapitel, auf das er wiederholt hmweist, wendet er sich nochmals dem Einkommen der Pfarrer zu (S. 209 f.), wobei nur das eine noch zu bemerken ist, dafs ein etwaiger Über- schufis der Pfründen von dem Kirchenpfleger zuni Bau und zur Aus- schmückung der Kirche verwendet werden soll. Noch einmal fordert er den Heimfall aller Schlösser, Festen und Städte der Geistlichen an das Reich, also eine grolse Säkularisation zu g^nsten von Herren, Rittern, Knechten und Reichsstädten (S. 212). Und gerade die Reichs- städte sollen diese Forderung nüt Gewalt durchsetzen, denn von den übrigen damals allein geltenden Reichsständen erwartet er nicht viel. Aber gerade deshalb, weU er diese nur dem Namen nach mit nennt, ohne ihnen in Wirklichkeit eine Bedeutung in der von ihm verkün- deten Reform zuzuschreiben '), charakterisiert sich der Verfasser wieder als einen hervorragenden Vertreter dieser Städte selbst.

i) Vgl. Janssen, Frankfurts Reichskorrespondenz» I. Bd. (1863), S. 443. 2) Vgl. Anhang, S. 86, Anm. 2.

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Stellen wir die Forderungen des Verfassers noch einmal kurz zu- sammen! Vor allem sollen geistliche und weltliche Geschäfte peinlich geschieden werden *). Für letzteres sind eigens dafür besoldete Organe zu schaffen. Dann soll für die Geistlichen selbst eine förmliche Be- soldung eintreten in der Form einer bestimmten Pfründe für die Person; zur Gewinnung dieser Besoldung ist erstens das Kirchengut und zwar als Herrschaftsgut heranzuziehen, und zweitens sind alle Ge- rechtigkeiten am Untertanengut abzulösen durch eine Summe, die eben- falls zum Fonds der Einnahmen aus dem Herrengut geschlagen wird; für den Fall der ÜberbUanz ist die überschüssige Summe zum Kirchbau zu verwenden. Eine Unterbilanz ist vom Verfasser nicht ausdrücklich ins Auge gefafst, aber jedenfalls bei Pfarrkirchen durch Vereinigung mehrerer zu einer, bei Klöstern durch Verminderung der Mönche auszugleichen. Reichsgut wie Burgen, Schlösser und Städte sollen an das Reich zurückfallen: also Stärkung des Reichsgedankens ist auch bei dieser Selbsthilfe wie bei jeder des mittelalterlichen Städtebürgertums bezeichnend genug für den überall konservativen Charakter der Reichsstädte, sowie für unseren Verfasser als einen ihrer Vertreter.

Koehne will nun in betreff des Einkommens „der Kanoniker, besonders der Bischöfe, denen sowohl alle Hoheitsrechte wie Land- besitz und Renten genommen werden, annehmen, dafs unser Autor an Staatsbesoldung gedacht hat** (S. 377). Von einer Staatsbesoldung kann in dieser Zeit aber noch gar nicht die Rede sein; wollte man eine Stadtbesoldung annehmen, so gäbe das eher einen Sinn, die Persönlichkeit des Verfassers würde eine solche Annahme zulassen, doch dies ist nirgends angedeutet, was er doch gewifs beim Ein- kommen der Pfarrer getan hätte. Auch ist der Landbesitz den ge- nannten Würdenträgem gar nicht genommen, ebensowenig jede Rente, nur geht mit dem Heimfall des Reichsgutes auch das Fürstenamt ver- loren. Das beabsichtigt ausdrücklich der Verfasser mit den Worten : sie (die Bischöfe) führen auch weltliche gewalt und wissen , da/s es wider Gott ist (S. 181). Aber die Einnahmen aus dem Herrschafts- gut der einzelnen Kirche und die Summe aus der Ablösung der Ge- rechtigkeiten ergeben einen Fonds, der zm Besoldung auch der Bischöfe und Prälaten hinreichen kann. (Schlafs folgt.)

i) Es soll sich lauUr in allweg scheiden das geutlich und das weltlüh, S. 231.

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ArehiTe« Unter den Archiven der süddeutschen Städte steht das Strafoburger trotz schwerer Verluste, die es im Wandel der Zeiten erlitten hat, noch in&mer als eins der reichhaltigsten und für die allgemeine Geschichte wichtigsten in erster Reihe, dank der machtvollen Stellung, welche die Reichs- stadt als Metropole des Oberrheins und als Bollwerk gegen Frankreich das ganze Mittelalter hindurch und bis ins 17. Jahrhundert hinein behauptet hat. Die Originale der ältesten Stadtrechte und kaiserUchen Privilegien sind frei- lich verloren gegangen und auch sonst